Johannes Ebner ist ein österreichischer Maler und Grafiker, dessen Arbeiten aus genauer Beobachtung entstehen.
Auch auf Kreta hat Johannes Ebner gearbeitet. Die hier entstandenen Bilder zeigen die Insel nicht als Postkarte oder touristisches Motiv. Sie entstehen aus einem langsamen, konzentrierten Blick auf Landschaften, Bäume, Felsen und Licht.
Kommos - 2012 - Acryl-Leinwand, 70x100cm
Aradaina, 2025, Acryl, Pigmente, Rohleinen, 70 x 80 cm
Erinnern Sie sich an Ihre erste Ankunft auf Kreta und in Pitsidia? Was ist Ihnen davon geblieben?
Vor über 40 Jahren kam ich zum ersten Mal nach Kreta; Kreta hat sich mir nicht sofort erschlossen, wir geisterten damals an der Nordküste herum von Sitia bis nach Georgioupolis, doch das war es nicht. Dann fuhr ich nach Chaniá und von dort nach Chora Sfakion in den wilden Südwesten. Dort hatte ich meine „Kreta-Epiphanie“, diese zerklüftete Gegend, die hoheitsvollen Berge, der unendliche Blick bis nach Afrika.
Sie leben und arbeiten in Österreich und kehren seit vielen Jahren immer wieder hierher zurück. Was zieht Sie an diesen Ort?
Sobald ich auf Kreta meine altvertrauten Malplätze aufsuche, fallen alle Klischees und alle intellektuelle Diskussion über Malerei von mir ab, ich fühle mich in der absichtslosen Absicht, geborgen im Nicht-Müssen.
Sie haben einmal geschrieben, dass Sie sich von der Landschaft „angeschaut, befragt und geprüft“ fühlen. Was meinen Sie damit?
Die kretische Landschaft ist mächtig, alles andere als nett oder idyllisch, auch wenn sie oft bildlich missbraucht wird, von einer zweifelhaften Spaßgesellschaft als Kulisse verschleudert wird. Das Uralte, das Seelendrama seiner Steine blitzt auf zu der Frage: Wer bist du, welche Identität kannst du meiner Kraft entgegensetzen?
Woran erkennen Sie, dass aus einem Ort ein Bild werden kann?
Ich sitze oft lange vor einem sogenannten Motiv, starre in die Tiefe, dann beginnt die Szenerie in mir zu arbeiten, bis ich bereit bin zu dem Sprung ins Nichts. Wenn das Motiv sich aufgelöst hat, seine offensichtliche Bedeutung verloren hat, beginne ich zu malen.
Sie schreiben, dass Sie einer Landschaft zuerst zuhören müssen. Was kann eine Landschaft einem Maler erzählen?
Die Linen der Felsen, die Wachstumsformen der alten Olivenbäume, die steinigen Wege, die Akkorde der Brandung, das alles klingt wie die kretische Lyra, Kreta ist durch und durch Musik.
Das Licht verändert Farben und Formen ständig. Welche Rolle spielt es für Ihre Malerei?
Das schmetternde Licht der kretischen Sonne scheint die Farben fast zu übertönen, es gilt die tiefe Glut in den Schatten zu ergründen.
Auf Kreta im Blau begegnet uns Blau als Farbe, als Licht und manchmal auch als Stimmung. Welche Bedeutung hat Blau in Ihrer Malerei?
Blau ist der Tiefgrund aller Farbigkeit, es ist der basso continuo, der alles trägt und den Farben zu ihrer Räumlichkeit verhilft.
Ihre Bilder lösen sich oft vom unmittelbar Erkennbaren und werden freier. Wann beginnt dieser Übergang?
Dort wo die Farbe sich von ihrer Gebundenheit an eine Gegenständlichkeit löst.
Sie sagen, dass Sie hier immer Gast bleiben. Warum ist Ihnen diese Haltung wichtig?
Ich will mich nicht in einer fremden Gesellschaft einnisten. Selbst alten Freunden und Bekannten auf dieser Insel begegne ich noch immer mit einer gewissen Scheu, mit Respekt.
Dafür wird mir eine tiefe Herzlichkeit und Wertschätzung entgegengebracht, die eine andere Qualität hat als die oberflächliche Verbrüderung.
Wenn Besucher Ihre Bilder betrachten – was würden Sie sich wünschen, dass sie mitnehmen?
Freude und Dankbarkeit dafür, gemeinsam an diesem Zauber teilnehmen zu dürfen.
Kleines Zimmer auf Kreta
Sicheres Gitter
Freiheit der Blicke
Schlichtes Bett
und bescheidener Sessel
Blaue Fensterläden im Wind
Kleines Zimmer auf Kreta
Immer gewunschen
Niemals gewonnen
Blau ist die Hoffnung
Und Sehnsucht das Meer.
Johannes Ebner - Chóra Sfakíon 1981
Sellouda Sfakia, 2021, Acryl, Leinen, 65 x 90 cm
Besonders die alten Olivenbäume der Südküste beschäftigen Johannes Ebner.
In ihren verdrehten Stämmen, ihren Spuren von Wind, Wetter und Zeit entdeckt er Formen, die zugleich gegenständlich und abstrakt wirken.
Das Licht Kretas spielt dabei eine besondere Rolle. Es erscheint nicht als dekorativer Effekt, sondern als etwas, das Farben, Formen und Flächen immer wieder verändert und überprüft.
In seinen Bildern wird Kreta nicht zur Kulisse. Die Landschaft bleibt eigenständig, manchmal still, manchmal widerständig. Der Maler nähert sich ihr aufmerksam und ohne Eile.
So erzählen seine Arbeiten nicht nur von einem Ort, sondern auch von einer Begegnung.
Vielleicht liegt gerade darin ihre besondere Qualität: Sie zeigen Kreta nicht als Ziel einer Reise, sondern als Landschaft, die den Blick verlangsamt und zu genauerem Hinsehen einlädt.
Kokkino Pirgos - 2019 - Acryl-Bergkreide-Leinwand, 70x80 cm