Vielleicht, weil Blau auf Kreta vieles verbindet, was mich seit Jahren beschäftigt:
Licht, Bewegung, Erinnerung und Stille.
Ich sammle keine Farben, sondern Momente.
Kreta wird oft über seine Orte erzählt, über seine Geschichte oder seine Landschaft. Dieses Projekt beginnt anders – bei einer Farbe.
Blau ist auf Kreta allgegenwärtig. Es liegt über dem Meer und öffnet sich im Himmel. Es verändert sich mit dem Licht, verschwindet im Grau eines Wintertages und kehrt wenige Stunden später zurück.
Man kann darin vieles sehen. Eine Farbe des Südens, ein vertrautes Bild Griechenlands, eine Erinnerung an Sommer und Ferne.
Myría Kyaní interessiert etwas anderes: Was geschieht, wenn man eine Farbe nicht sofort mit einer Bedeutung versieht, sondern ihr folgt?
Dann führt Blau vom Meer zu den Menschen, von der Landschaft in die Geschichte, vom Sichtbaren zu den Bildern und Vorstellungen, die wir uns von einer Insel machen.
Blau erklärt Kreta nicht. Es öffnet einen Zugang.
Vielleicht, weil es Raum lässt.
Weil es nicht drängt.
Und weil es hilft,
genauer hinzusehen –
ohne etwas festhalten zu müssen.
Blau wurde zu unterschiedlichen Zeiten verschieden gesehen und gedacht.
„Das Meer, das Meer – wo ist der, der es leerschöpfen könnte?“
— Giorgos Seferis, Mythistorima XX. Andromeda (1935)