Hier versammeln sich Gedichte und kurze Miniaturen, entstanden aus Beobachtungen des Lichts, aus Wegen, Stimmen und stillen Augenblicken.
Viele dieser Texte wurden auf Kreta geschrieben. Andere bringen ihr eigenes Blau mit.
Sie bilden kein abgeschlossenes Buch.
Sondern einen Ort, der mit jedem Text weiterwächst.
Drei Tage erst,
und doch fühlt es sich an
wie zurückkehren.
Ich war nie hier.
Kein Name vertraut,
kein Gesicht.
Nur dieses Licht,
das nichts verbirgt
und nichts verlangt.
Es fällt auf Zäune,
Zitronen,
Narben.
Auf alles gleich.
Ich gehe durch ein Dorf
ohne Eile.
Ein alter Mann nickt,
als hätte er mich erwartet.
Nicht heute,
irgendwann.
Am Rand des Hauses
liegt eine schmale Kante Licht.
Sie wandert die Wand hinauf,
als suchte sie etwas.
Der Fischer hört
auf das Wasser
als spräche darunter
jemand,
den nur er versteht.
Das Licht hier ist gnadenlos
und zärtlich zugleich.
Es prüft jede Farbe,
jeden Stein.
Nichts entkommt ihm —
vielleicht
liegt genau darin
seine Klarheit.
Begegnung
Ein Blick am Wegrand.
Kein Wort.
Nur Zustimmung,
dass der Tag
so bleiben darf.
Ein Mann sitzt
vor seinem Haus.
Sein Blick
im Staub vor ihm,
wo das Licht
eine Linie zieht.
Er spricht nicht.
Doch sein Schweigen
ist kein Abstand —
sondern
eine Einladung.
Der Abend wird verschickt,
noch bevor er ankommt.
Am Abend
zieht das Licht
eine schmale Linie
über das Wasser.
Sie tut nichts
und verändert alles.
Jeden Abend
sitzt eine alte Frau
vor ihrer Tür.
Der Himmel wird dunkler.
Sie sagt nichts.
Sie bleibt.
Gestern ist nicht weg.
Es steht leiser
neben dem Heute.
Manchmal zeigt es sich
in einem Blick,
einem Geruch,
einem Schatten am Nachmittag.
Gestern ist die Farbe,
die das Jetzt
wärmer macht.
Zeit
Blau vergeht langsam.
Es ist die letzte Farbe des Abends
und die erste des Morgens.
Zwischen beiden hält es die Zeit an.
Blau, das bleibt,
wenn alles andere geht.
Ein Boot atmet im Hafen.
Eine Zikade zieht
eine feine Spur
durch die Stille.
Die Sonne sinkt,
doch nichts fällt —
alles findet
seinen Ort.
Am Abend
wird das Blau tiefer.
Es legt sich
über die Häuser,
über die Wege,
über die Schultern.
Nichts drängt,
nichts fordert.
Man sieht nur,
wie der Tag
leise wird
-
und die Zeit
für einen Moment
keine Richtung hat.